Gefahr durch Zecken

FSME und Borreliose – die am häufigsten von Zecken übertragenen Infektionskrankheiten

Was ist Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)?

Die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis; Englisch: tick-borne encephalitis, TBE) ist eine überwiegend durch Zeckenstich, sporadisch auch durch den Konsum von nicht-pasteurisierter Milch und Milchprodukten (von Schafen, Ziegen und sehr selten auch von Kühen) übertragene Infektionskrankheit. Das FSME-Virus gehört zur Familie der Flaviviridae.

Bei klinisch manifester Infektion ruft es nach einer Inkubationszeit von durchschnittlich 8 Tagen (3–28 Tagen) nach dem Zeckenstich ein in etwa 80 % biphasisch verlaufendes Krankheitsbild hervor. In der ersten Phase treten grippeähnliche Symptome auf. Nach einem symptomfreien Intervall von durchschnittlich 7 Tagen reicht das Spektrum in der zweiten Phase von einer milden Meningitis bis zu schwerer Enzephalitis mit oder ohne Myelitis und Paralyse. Etwa ein Drittel der Patientinnen und Patienten zeigt nach durchgemachter Erkrankung langdauernde Folgeschäden. Entgegen einer verbreiteten Meinung treten auch bei Kindern sehr schwere Erkrankungen mit langwierigen Folgeschäden (2018 erkrankten 2 Kinder in Österreich an einer schweren Meningoenzephalitis) und sogar Todesfälle auf. Die durchschnittliche Letalität (also die Wahrscheinlichkeit an einer Krankheit zu sterben) beträgt in Österreich 0,7-1%.

Verbreitung und Impfempfehlung

In Österreich ist kein Bundesland FSME-frei, daher ist die Impfung für alle in Österreich lebenden Personen zu empfehlen. Die Effektivität der FSME-Impfung beträgt für nach dem empfohlenen regulären Schema Geimpfte 95–99 %.

Kinderimpfung

Die FSME-Impfung (FSME immun jun ®, Encepur Kinder®) ist nicht im kostenfreien Impfprogramm enthalten. Die FSME-Impfung ist ab dem vollendeten 1. Lebensjahr zugelassen. Entsprechend den Empfehlungen der WHO soll in Endemiegebieten eine Impfung ab dem vollendeten 1. Lebensjahr erfolgen.

Impfschema

Grundimmunisierung:

FSME-Immun: 2. Dosis nach 1–3 Monaten, 3. Dosis 5–12 Monate nach der 2. Dosis.

Encepur: 2. Dosis nach 1–3 Monaten, 3. Dosis 9–12 Monate nach der 2. Dosis.

Auffrischungsimpfungen:

  1. Auffrischung nach 3 Jahren, alle weiteren Auffrischungen alle 5 Jahre, ab dem 60. Lebensjahr alle 3 Jahre

Bei Einhaltung der empfohlenen Impf-Intervalle sind Titerbestimmungen weder notwendig noch empfohlen. Prinzipiell sollen Titerkontrollen nur bei speziellen Fragestellungen (unklares Impfintervall, Impfen bei Immunsuppression, etc.) in Form von Neutralisationstests in Speziallabors durchgeführt werden. Titerkontrollen zur Bestimmung der Antikörper gegen FSME (IgG Titerkontrollen) geben keine sichere Auskunft über die Dauer des Impfschutzes.

Was ist Borreliose?

Borreliose ist der Überbegriff für eine Gruppe von bakteriellen Infektionskrankheiten, deren Auslöser Borrelien sind. Die Borreliose-Erkrankung zeigt ein sehr vielseitiges Erscheinungsbild. Neben der Haut können Nervensystem, Bewegungsapparat und Herz betroffen sein.

Man unterscheidet drei Krankheitsstadien:

  1. Das erste Krankheitszeichen ist häufig eine örtliche Entzündung der Haut, das so genannte Erythema migrans oder wandernde Rötung. Im Vergleich zu Erwachsenen kann bei Kindern häufiger zudem ein Borrelien Lymphozytom entstehen. Außerdem gibt es noch eine disseminierte kutane Frühmanifestation.
  2. Bei einem Teil der Patienten kommt es nach Wochen bis Monaten durch Befall weiterer Organe zum zweiten Krankheitsstadium. Davon können die Gelenke (vor allem die Kniegelenke), das Nervensystem (Hirnhaut, Gehirn, Gesichtsnerven), die Haut (Schwellungen etc.) und selten das Herz (Herzrhythmusstörungen) betroffen sein.
  3. Werden diese Erkrankungen nicht rechtzeitig erkannt und mit Antibiotika behandelt, können chronische Schädigungen (z. B. Arthrosen, Hautatrophien, Persönlichkeitsveränderungen) zurückbleiben (Stadium III).

Wie erkenne ich, ob ich Borreliose habe?

Erythema migrans

An der Stichstelle entsteht nach wenigen Tagen eine Rötung, die sich ausdehnt und ringförmig wird. Diese Hauterscheinung tritt nur bei etwa 30 % der Patienten auf und ist oft in den Kniekehlen, am Bauch oder an den Schultern lokalisiert. Gleichzeitig können auch grippeartige Symptome vorhanden sein. Das erste Krankheitsstadium heilt meist von alleine innerhalb von Tagen bis Wochen aus. Trotzdem ist eine Behandlung mit Antibiotika angezeigt, um eine Ausbreitung des Erregers auf andere Organe zu verhindern.

Erythema migrans nicht mit Lokalreaktion verwechseln!

Die Borrelien brauchen Zeit, um sich zu vermehren. Üblicherweise entsteht eine Hautveränderung erst 1-3 Wochen nach dem Zeckenstich. Hautveränderungen, die bereits beim Zeckenstich und unmittelbar nachher zu sehen sind, entstehen durch den Fremdkörperreiz der Stichwerkzeuge und durch die fremden Proteine, die die Zecke hinterlässt. Wenn die Diagnose unsicher ist, spricht nichts dagegen, den Rand der Rötung mit einem Kugelschreiben zu markieren und 24-48 Stunden später nochmals den Arzt aufzusuchen.

Die wichtigsten Erkennungsmerkmale bei Erythema migrans

  • Freies Intervall zwischen Zeckenstich und Beginn des Erythems von typischerweise 3 Tagen bis zu mehreren Wochen
  • Zunehmende zentrifugale Ausbreitung des Erythems (Crescendo Reaktion)
  • Randbetontes, nicht erhabenes Erythem mit mindestens 5 cm Durchmesser
  • Ev. im Zentrum des Erythems sichtbare Zeckeneinstichstelle

Borrelien-Lymphozytom

Im Frühstadium können an der Stichstelle oder in dem sich ausbreitenden Erythema migrans Pseudolymphome auftreten. Es handelt sich um einen meist solitär, seltener multilokulär auftretenden, wenig scharf begrenzten, rötlichen (rötlich braun bis rötlich livid), asymptomatischen (kein Juckreiz, kein Schmerz), mäßig protuberierten, weich-elastischen, flach auslaufenden Knoten mit glatter, machmal atrophischer Oberfläche.

Das Borrelienlymphozytom tritt häufiger bei Kindern als bei Erwachsenen auf (bei 7% der Kinder und nur 2% der Erwachsenen mit Lyme Borreliose). Die bevorzugten Lokalisationen bei Kindern sind die Ohrläppchen und der Genitoanalbereich.

Disseminierte kutane Frühmanifestation

Bei einem Teil der Patienten kommt es im Frühstadium zur hämatogenen Disseminierung – klinisch bemerkbar durch grippeartige Krankheitssymptome wie leichtes Fieber, Arthralgien, Myalgien, Kopfschmerzen, Lymphadenopathie und multiple Erythemata migrantia. Wenn keine Erytheme sichtbar sind oder wegen atypischer Morphologie nicht erkannt werden, ist dieses Stadium sehr schwer zu diagnostizieren.

Soll ich mich auf Lyme Borreliose testen lassen?

Für die Diagnostik eines Erythema migrans ist die Serologie schlicht nicht geeignet, weil eine Serokonversion 2-6 Wochen braucht. Daher kann die Serologie in der Frühphase falsch negativ sein. Durch die hohe Seroprävalenz der Borreliose in Österreich und Deutschland gibt es auch viele falsch positive Resultate. Wenn man alle Patienten, die ein Erysipel haben, auf Borrelien testen würde, hätte man in der Altersgruppe wohl mindestens 20-30% falsch positive „Borreliendiagnosen“.

Ein positiver Test alleine sagt nur aus, dass das Immunsystem schon zu einer früheren Zeit Kontakt mit Borrelien hatte. Keinesfalls sollte ohne einer borrelientypischen Symptomatik eine ungezielte Serodiagnostik durchgeführt werden. Ein positiver Test ohne Symptome wird ignoriert: keine Therapie und keine Verlaufskontrollen. Die Borrelienserologie bleibt auch nach einer erfolgreichen Therapie positiv. Die Antikörper sind jedoch leider nicht bzw. nur partiell protektiv wirksam. Es kommt erst nach Jahren bis Jahrzehnten zu einem signifikanten Rückgang der Titer.

Quellen

Sozialministerium

Pediatrieinfo

Zecken.at

Kinderärzte im Netz

Tropenmedizin

Ärztezeitung

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Enzyklopaedie-dermatologie